Der Großbauer

Historischer Kriminalroman von Friedrich Meister

 

Mit Spürsinn, Mut und Hartnäckigkeit macht sich die Fischerstochter Bertha Linnewehrt auf die Suche nach dem wahren Mörder des jungen Mannes, der nach einer furchtbaren Unwetternacht - völlig entstellt - aus dem Wasser gezogen wird. Dabei deckt sie ungeheuerliche Intrigen auf.

 

Aus dem Inhalt:

Nikolas Quense, der reiche Grundbesitzer und Schiffsreeder, saß in seinem niedrigen, altfränkischen Wohnzimmer im Lehnstuhl. Seine Rechte hielt die silberne Schnupftabakdose, die Linke verharrte, die Prise auf dem Daumen, halbwegs zwischen Dose und Nase unbeweglich in der Luft.

Seine Augen waren mit einem halb lauernd, halb zornig forschenden Blick auf das offene, gutmütige Antlitz eines jungen Mannes gerichtet, der in einiger Entfernung von ihm vor dem weiten Kamin stand. Seine Erregung aber verflog sehr bald. Er führte die Linke an die Nase und schnupfte energisch, geräuschvoll und mit offenbarem Hochgenuss. Dann ließ er die Dose schallend zuschnappen.

Es war kein leichtes Stück Arbeit, den alten Nikolas Quense in Erregung oder gar Zorn zu versetzen. Pflegte derselbe sich doch zu rühmen, dass ihn nichts aus seinem inneren Gleichgewicht bringen könnte. Noch ungewöhnlicher aber war es, die etwa vorhandene Beunruhigung auf seinem Gesicht zu lesen, denn unter den Bewohnern von Abbehauserfleth galt die Rede: man könne von Quenses Gesicht ebenso wenig auf seine Gedanken, wie aus seinen Reden auf seine Absichten schließen.

Quenses Gesicht aber war kein angenehmes. Fahlgelb, von dünnem, sandfarbigem Bart und Haar umgeben, glich es mit seinen schmalgeschlitzten, blinkenden Augen und dem immerwährend schwach lächelnden Zug um die spitze Nase und den eingekniffenen Mund, dem Gesicht eines Fuchses.

Mit diesem Gesicht jedoch, und dazu mit einem dürren, gebrechlichen Leib und einem lahmen Bein, hatte er seinen Weg in der Welt gemacht und nicht nur Reichtümer, sondern auch den Respekt seiner Mitbürger erworben, jenen Respekt wenigstens, der allenthalben mit dem Erfolg verbunden zu sein pflegt.

„Du willst also behaupten, Radbod“, sagte der Reeder langsam lächelnd, während seine knochigen Finger den Deckel der Schnupftabaksdose klopften, „du willst also behaupten, ich könnte Handlungen begehen, die nicht ganz ehrenhaft wären, und somit gegen die Landesgesetze verstießen?“

„Ich behaupte und sage nichts, wenn Sie mich nicht dazu reizen, Herr Quense“, entgegnete der junge Mann, „und auch dann nur unter vier Augen. Denn ich bin kein Gendarm, auch kein Angeber, und Sie sind doch bis jetzt noch immer mein Freund gewesen, sozusagen.“

Der Sprecher, Radbod Falk, war ein hübscher, kräftiger Mensch mit blondem Kraushaar und wohlgebildetem, wettergerötetem Gesicht. Seine Kleidung war ein Mittelding zwischen der eines Seefahrers oder Fischers und der eines Ackermannes.

„Also nur unter vier Augen, soso!“, nickte der Reeder. „Du denkst also, mir zu drohen und mich dadurch zu zwingen, nach deinem Begehr zu tun. So ist es doch, nicht wahr?“

Der junge Mann lachte laut auf.

Drohen will ich nicht“, sagte er, „das würde nicht viel nützen. Sie brauchen meine Worte nicht umzudrehen. Ich habe Ihnen gesagt, ich hätte mich entschlossen und wollte nun heiraten, und Sie hatten ja auch nichts dagegen. Darauf erinnerte ich Sie daran, dass Sie mir den Huderhof versprochen haben ...“

 

Paperback, 376 Seiten

Taschenbuch: ISBN-13: 978-3-7412-8865-4

eBook: ISBN-13: 978-3-7431-5728-6

 

Als Taschenbuch (14,80 €) und als eBook (4,99 €) erhältlich.

 

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