Der Seeteufel

Eine Seegeschichte von Friedrich Meister

Der junge Gert Brand mustert an seinem dreizehnten Geburtstag auf der Bark Käthe an. Auf der Fahrt nach Kalkutta wird das Schiff von Seeräubern gekapert, und auf Kurs in Richtung Südsee gebracht. Es beginnt ein Ringen um Leben und Tod und um die von den Piraten auf einer schwer zugänglichen Felseninsel versteckten Schätze.

Aus dem Inhalt:

Es war um halb sechs Uhr an einem nassen und stürmischen Novembernachmittag. Ein Mann in schwarzem Düffelrock und großer Schirmmütze kam die Straße herauf, blieb vor einem der kleinen einstöckigen Häuser stehen, zog seine dicke silberne Uhr hervor und blickte beim Schein der flackernden Straßenlaterne auf das Zifferblatt.

Drei Glasen“, murmelte er, steckte die Uhr wieder ein, fasste mit der Rechten den messingenen Klopfer der Haustür und tat damit drei Schläge, und zwar zwei hintereinander und den dritten nach einer Pause von einigen Sekunden.

„Drei Glasen in der ersten Hundewache“, murmelte er. Poch, poch - poch.

Drinnen wurden schlurfende Schritte vernehmbar, die Tür öffnete sich und ein etwas gebeugter, grauhaariger, gebräunter und verwitterter Seemann erschien auf der Schwelle. Seine Kleidung bestand aus einem blau und rot gestreiften Sweater und einer dunklen, schon recht bejahrten Hose, die durch einen Riemen emporgehalten wurde, an dem sich hinten ein Scheidenmesser befand.

„Guten Abend, Hannes Geitau“, sagte der Ankömmling, „ist der Kaptein da?“

„Jawoll, Steuermann - oder Keppen Ketelsen, wenn ich Sie nun so nennen soll, denn die Zeiten ändern sich“, antwortete der alte Seemann.

„Lass den Kaptein mal sein, Hannes“, entgegnete der Besucher, schob den Alten auf die Seite und trat in das Haus. „Ich bin ein bisschen spät dran.“

„Das merk’ ich, und der heiße Labskaus merkt das auch. Der brutzelt im Bratofen wie in der Mittagssonne wenn man gerade den Äquator passiert.“

„Ist schon gut, Hannes, ist wohl nicht so viel zu verderben“, lachte Ketelsen. „Aber ich höre den Alten husten; wenn ich mich nicht ganz täusche, dann gibt es noch eine .“

„Da haben Sie recht, Kaptein, mit Reedern ist nicht zu spaßen“, sagte Hannes und machte die Stubentür auf.

Ketelsen trat in das Zimmer, dessen Wände allenthalben mit Schiffsbildern und einer Menge von überseeischen Merkwürdigkeiten geschmückt waren. Am Kaminfeuer saß in einem Lehnstuhl ein ältlicher Mann, dem man auf den ersten Blick den Seefahrer ansah.

„Sie kommen spät, Ketelsen“, sagte er.

Seine Stimme war kräftig und tief, trotzdem aber verriet sie, dass der Sprecher stark erkältet oder sonstwie leidend war.

„Das tut mir leid, Keppen Brand“, lautete die Antwort, „aber da war noch etwas von der Ladung an Land, und da musste ich gehen und Dampf achter machen.“

„Ist das Schiff denn jetzt seeklar?“

„Ja, Kaptein, seeklar. Heute Nacht gegen zwölf haben wir Hochwasser.“

„Und ich muss hier sitzen und meine Käthe ohne mich in See gehen lassen! Sie können sich nicht denken, Ketelsen, wie schwer mir das Herz ist! Bis Sie wieder binnen kommen, habe ich niemand als den Jungen.“

„Und Hannes Geitau“, sagte Ketelsen. „Der bleibt bei Ihnen, so lange seine Spanten und Planken zusammenhalten, und er ist noch einer von den alten, kernigen Leuten.“

„Das ist richtig, und zuverlässig und treu ist er auch“, nickte Kapitän Brand. „Aber Sie haben niemals eine liebe Frau verloren, sind niemals krank gewesen und brauchen nicht aufzuliegen wie ich alter abgetakelter Kerl.“

Hannes steckte den Kopf zur Tür herein: „Soll ich den Tisch decken?“

„Ja. Ich habe mit Keppen Ketelsen wichtige Sachen zu besprechen, und nach dem Abendbrot sind die Gedanken klarer als vorher.“

Taschenbuch, 160 Seiten

ISBN-13: 978-3-7412-7239-4

ISBN-13: 978-3-7431-9904-0

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