Schatzsucher im Eismeer

Eine Abenteuergeschichte von Friedrich Meister

Mitten in einer verlassenen Petroleumstadt treffen die Bernsdorfs auf den alten Seefahrer Jackson, der ihnen, im Sterben liegend, sein Geheimnis anvertraut: Onyxe, Topase und Diamanten, die auf einer Insel in der fernen Arktis verborgen liegen sollen. Die Edelsteininsel zu finden gerät zu einer abenteuerlichen und lebensgefährlichen Fahrt durch das Eismeer und einem Wettlauf mit Piraten, die ebenfalls Anspruch auf den Schatz erheben.

Aus dem Inhalt:

Der Knall eines Kanonenschusses – eine rundliche, schnell anwachsende Dampfwolke hinter dem Vorland – eine in weiten Sätzen über das aufspritzende Wasser hinhüpfende Kugel, die vor dem Auge der Seeschlange entlang sauste und krachend in ein treibendes Eisstück einschlug …

„Da haben wir’s!“, rief Kapitän Armstrong. „Die Yankees schicken uns ihre Visitenkarte!“

„Aber sie schicken sie vorbei“, lachte Philipp. „Da kommt die Brigg ins freie Wasser herausgesegelt, hinter uns drein! Das wird einen Tanz geben!“

„Das Nordlicht soll nur kommen, das löschen wir aus, als wenn es eine alte Tranlampe wäre!“, rief Heinz. „Da kommt wieder eine Pille, die für uns bestimmt ist! Aufgepasst, Schiffsmaaten und Gentlemen!“

Wieder war eine Dampfwolke über dem Bug des Nordlicht ausgepufft, nach wenigen Sekunden erdröhnte der Knall, und diesmal pfiff die Kugel zwischen den Masten des Schoners hindurch.

„Zu hoch“, bemerkte der Schiffer trocken. „Demnächst wird er besser zielen.“

Der Schoner hatte alle Leinwand stehen, die er tragen konnte und rauschte mit einer Geschwindigkeit von zehn Knoten durch das Wasser. Allein die Brigg stand ihm nicht darin nach, im Gegenteil, es stellte sich bald heraus, dass sie bei einer längeren Jagd die Seeschlange mit der Zeit einholen musste. Das sah bedenklich aus.

„Die Yankees haben kein Recht, so auf uns loszufeuern!“, sagte Hans entrüstet.

„Gewalt geht zumeist vor Recht“, versetzte der Schiffer.

„Dann sind’s aber Seeräuber!“

„Gewiss, deshalb soll es ihnen auch schlimm ergehen, wenn wir sie fassen“, sagte Armstrong. „Dann soll es den Bären und Füchsen eine Weile nicht an Futter mangeln … Da, ein drittes Kompliment!“

Diesmal traf die Kugel die Gaffel und splitterte die Spitze derselben ab. Gaffeltopsegel und Schonersegel gerieten in Unordnung, und das Fahrzeug verminderte die Schnelligkeit.

Zwar sprangen die Matrosen wie die Katzen hinauf, um den Schaden auszubessern, inzwischen aber kam die feindliche Brigg in bedrohlicher Weise näher.

„Ich denke, wir haben sie jetzt in Schussweite“, sagte der Schiffer, der besorgt bald die Arbeit an der Gaffel, bald das Nordlicht beobachtete. „Feuert also, Boss, so schnell und so oft wie möglich. Vielleicht haben wir Glück.“

Friedrich und Johann Bernsdorf hatten mit Hilfe ihrer Söhne längst das kleine Geschütz in Bereitschaft gesetzt und am Heck aufgestellt. Mit vollen Segeln, weiß wie ein Schwan, kam die Brigg herangerauscht, der leichten Beute schon gewiss. Da krachte des Schoners Dreipfünder … als der Pulverdampf den Blick wieder freigab, da brachen alle Mann in ein stürmisches Jubelgeschrei aus, denn die Fockmarsstenge der Brigg war, von der Kugel getroffen, niedergebrochen, die Rahen und Segel hingen in wirrem Durcheinander bis auf das Deck herab, und des Schiffes Fahrt war gehemmt.

Das Nordlicht war ein Wrack.

„Ein Tellschuss!“, rief Karl.

Der Steuermann, der glückliche Schütze, lächelte bescheiden, ohne die Brigg aus dem Auge zu lassen.

„Seht!“, rief er dann plötzlich in Aufregung. „Sie ist auf die Riffe getrieben! Sie sitzt fest!“

„Geschieht ihr recht“, sagte Karl. „Jetzt wird sie uns wohl in Ruhe lassen.“

Ein abermaliges Hurra stieg vom Deck des Schoners empor, der sich jetzt wieder allmählich von dem feindlichen Fahrzeug entfernte. Auf diesem schien eine allgemeine Verwirrung eingerissen zu sein, ein Zeichen schlechter Disziplin.

„Fürs erste haben die Kerle genug“, sagte der Schiffer. „Die Brigg sitzt auf dem Riff und wird so bald nicht wieder abkommen. Wenn der Wind stärker wird, dann ist es leicht möglich, dass sie in Stücke geht.“

176 Seiten

ISBN-13: 978-3-7412-7674-3

ISBN-13: 978-3-7412-7844-0

Als Taschenbuch (14,99 €) und als eBook (2,99 €) erhältlich!

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