Spuk auf der Hallig

Spuk auf der Hallig.

Eine Seegeschichte von Friedrich Meister

Silvester 1892: Kapitän Jaspersen erleidet vor der Küste von Westerstrand Schiffbruch. Schwer verletzt wird er von Paul Krull, dem 16-jährigen Sohn des Pastors, aus der eiskalten Nordsee gezogen. Jaspersen überlebt und Paul heuert bei ihm an. Er will Kapitän werden, über alle Bedenken seines Vaters hinweg. Auf ihrer gemeinsamen Fahrt auf der Hamburger Bark "Hallig Hooge" haben sie zahlreiche Abenteuer zu bestehen.

Aus dem Inhalt:

In den letzten Tagen des Jahres 1892 wütete in der Nordsee ein schreckliches Unwetter, das am Altjahresabend am verderblichsten tobte. An den Küsten und auf den Inseln von Schleswig und Ostfriesland ist jene Sturmzeit noch heute unvergessen.

Wenn im Winter der Orkan mit Schnee über die mächtige See schnaubt, an den Türen und Fensterläden rüttelt und klappert, durch den Schornstein herabfährt und Rauch und Funken aus dem offenen Herd in die Wohnungen der Menschen treibt, dann erinnert sich mancher wohl noch des Silvesterabends von 1892, an dem man im trauten Familienkreis vor dem prasselnden Feuer des weiten Kamins gesessen und auf die Mitternachtsschläge vom Turm des Kirchleins gewartet hatte, um mit einem guten Wort das alte Jahr zu beschließen und mit gegenseitigen Segenswünschen das neue zu beginnen.

Draußen auf der See aber kämpfte zur selben Zeit gar manches Schiff im wilden Schneesturm mit dem schwarzen Verhängnis, und noch ehe der Morgen ausbrach, hatten viele brave Seeleute ihre letzte Ruhe tief unter den zornigen Wogen gefunden.

Auch im Pfarrhaus der Insel Westerstrand hatte an jenem Abend der Pastor Krull mit seiner Frau, seinen beiden Töchtern und seinem Sohn Paul, einem kräftigen jungen Mann von über sechzehn Jahren, vor dem Kaminfeuer in der weiten Küche gesessen, die, nach der alten Sitte an der Wasserkante, vielfach zugleich als Wohnraum diente. Obwohl die Jahreswende Anlass genug zu allerlei Betrachtungen bot, wollte eine Unterhaltung nicht recht zustande kommen, da alle mit Besorgnis dem donnernden Tosen der Brandung und dem Geheul und Geschmetter des Sturmwindes lauschten, der das alte Haus in seinen Grundfesten zu erschüttern schien.

Dann kamen die Schüsse und Paul eilte hinaus. Der Pastor versah sich gleichfalls mit Ölzeug und Südwester, und nun schritten beide, mit aller Macht gegen den Sturm ankämpfend, zum Strand hinab, wo eine Anzahl Männer bereits im Begriff war, das Rettungsboot zu Wasser zu bringen. Draußen in der schwarzen Finsternis über der See, in der Gegend des Muschelsandes, zeigte sich ein gelbes, verwehtes Licht, das Notsignal eines Fahrzeugs.

172 Seiten

ISBN-13: 978-3-7412-5033-0

ISBN-13: 978-3-7412-7782-5

Als Taschenbuch (14,80€) und als eBook erhältlich (5,99 €)

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